Diesen Beitrag von Andreas Hergeth
fand ich im Ost-Diskussionsforum von www.zonentalk.de
Wie kann man einen Ostdeutschen erkennen? Ganz leicht: „Fit“ heißt das Zauberwort. So
gut wie jeder im Osten kennt das Geschirrspülmittel. Eigentlich kein Wunder, deckte die
Abwaschhilfe früher doch 85 Prozent des DDR-Bedarfs. Die Werbung für das Markenprodukt in den 50er und 60er Jahren tat das übrige. Später wurde sich diese Art
von Kundenfang gespart, die dünne Warendecke machte Werbung überflüssig. Warum für
etwas Reklame machen, wenn es dann doch nicht zu kaufen war? Typisch DDR.
Horst Geil, Jahrgang 1919, erdachte das Fit-Markenzeichen, den Fit-Tropfen, eine fröhlich
zwinkernde Figur, aus Tropfen und Pfeil zusammengesetzt. Nach Krieg und Gefangenschaft kehrte der gebürtige Chemnitzer 1948 in seine Heimatstadt zurück. Der
gelernte Gebrauchsgrafiker wurde Atelierleiter im VEB Fettchemie und in den
Fewa-Werken.
Auch das Waschmittel „Fewa“ brachte man mit einer einprägsamen Werbefigur an die
Frau. Die „Fewa-Johanna“ wurde zwar bereits 1938 von Karl Nebel entworfen, aber erst
Horst Geil verpaßte ihr ein neues Aussehen. „Vor allem reizte mich, das bereits
vorhandene Markenbild der Fewa-Johanna aus seiner Erstarrung zu lösen, ihm Leben und
Inhalt zu geben“, erklärt Geil. Die Figur wurde etwas runder, kompakter, freundlicher, aber
auch anmutiger in ihrer Haltung. So, wie sich das eben für eine sozialistische Hausfrau
gehörte: Putzen und Waschen – und trotzdem ganz Frau sein. Erinnern Sie sich?
An dem Schaffen Horst Geils läßt sich exemplarisch die Entwicklung der DDR-Grafik
nachvollziehen. Ganz der in den 30er Jahren absolvierten Ausbildung verpflichtet, zeigen
die ersten Werbegrafiken schöne, attraktive Menschen in naturalistischer Pose. Man
könnte auch Kitsch dazu sagen. Bestes Beispiel dafür ist ein Plakat, das für
„Lebona Nussöl“ (1953) wirbt. Eine schöne blonde Frau mit Schmollmund badet in der Sonne,
geschützt von einer Flasche des angepriesenen Produkts. Die Ufa-Filmästhetik läßt
grüßen.
Geil leistete sich auch einige Ausrutscher, etwa die Werbegrafik für das Waschmittel
„Fedal“ (1952). Da sieht man unter dem Slogan „Für Muttis große Wäsche“
einen Jungen ziemlich blöde lachen.
Ab 1955 arbeitete Horst Geil als freischaffender Grafiker, entwickelte Markenbilder für das
Waschmittel „Fay“, den Wetterschutz „Wab“ und die Insektenvernichter „Duolit“ und
„Flibol“. Letzterer warb unfreiwillig komisch – auch das ein Markenzeichen von
DDR-Werbung – mit einer Szene aus dem Alltag einer Hausfrau, die mit der Fliegenklatsche
auf dem Stuhl umzukippen droht. Da sollte sie lieber zu „Flibol“ greifen, rät die Werbung,
das „wirkt schneller und besser.“
Doch die Formensprache Geils wurde klarer, der reduzierte Stil Markenzeichen vieler seiner
Arbeiten. Und auch die Farbenwahl geriet manchmal geradezu kühn, es lassen sich gar
konstruktivistische Anklänge finden. Für das Waschmittel „Fay“ entwarf Geil schon 1957
ein Plakat mit für DDR-Verhältnisse ungewohnter Optik. Eine stilisierte Frau mit
ausgestreckten Armen teilt das Bild in Segmente, die farblich in Blau und Weiß gehalten
sind. Dazu sattes Rot und ein Strichmuster im Kleid – neue Grafikelemente und ein
anderes, moderneres Frauenbild. Keine „Fewa-Johanna“ mit Kittelschürze und Dutt mehr.
Andreas Hergeth ist freier Journalist und arbeitet für
taz,
Tagesspiegel, Handelsblatt und FAZ.
Vielen Dank für die "Leihgabe".