Staatsbank der DDR, 1968-1990
Zentrales Organ des ›Ministerrates der DDR‹ für
die Umsetzung der staatlichen Geld- und Kreditpolitik
Geschichte und Organisation:
Aufgrund des Befehls Nr. 37 der SMAD vom 19.2.1947 wurden in allen fünf Ländern der SBZ Emmissions- und Girobanken
gebildet. Eine ›Deutsche Emmissions- und Girobank‹ bestand seit dem 21.5.1948; sie hatte ihren Sitz in
Potsdam und sollte den Geldumlauf und den Kreditverkehr in der SBZ einschließlich Ostberlins regeln
und zudem die Verrechnungen im Warenverkehr zwischen den Ländern der SBZ sowie zwischen diesen
und den Westsektoren vornehmen. Im Zusammenhang mit dem Abschluß der Währungsreform - und mit
Billigung der SMAD - wurde diese Bank am
20.7.1948 durch die ›Deutsche Wirtschaftskommission‹ in die ›Deutsche Notenbank‹ umgewandelt
und in den Ostsektor Berlins verlegt. Die Emissionsbanken und die in den Ländern inzwischen
eingerichteten Landeskreditbanken wurden Anfang 1950 in die Notenbank eingegliedert und als deren Filialen
weitergeführt. Ein »Gesetz über die Deutsche Noten-
bank« vom 31.10.1951 übertrug dieser das alleinige Recht zur Ausgabe von Banknoten; sie führte zudem
die Kassengeschäfte des Staatshaushaltes, unterstand aber als nicht selbständige Institution der Aufsicht des
Ministeriums der Finanzen. Damit war in der DDR eine zentralgeleitete »Staatsbank« entstanden, in der
sowohl die Funktionen einer Emissions- wie die einer Geschäftsbank vereinigt waren.
Mit Wirkung vom 1.1.1968 wurde die ›Deutsche Notenbank‹ in die S. umgewandelt; in dem dazu
erlassenen Gesetz vom 19.12.1974 war sie als zentrales Organ des Ministerrates ausgewiesen und als
solches zuständig für die einheitliche Leitung, Planung, Durchführung und Kontrolle der staatlichen
Geldund Kreditpolitik. Auch die Arbeit der S. folgte den Regeln des demokratischen Zentralismus; geleitet
wurde sie nach dem Prinzip der Einzelleitung von einem Präsidenten, der Mitglied des Ministerrates
war. Als regionale Stützpunkte unterhielt die S. in den Bezirken und Kreisen der DDR 15
Bezirksdirektionen und rd. 180 Kreisfilialen, über die sie die Refinanzierung anderer Geldinstitute sowie
Kreditierung und Abwicklung des Geschäftsverkehrs der Wirtschaft der DDR betrieb. Neben den Subinstituten
der S. waren an der Finanzierung und den Geldgeschäften der ›Kombinate‹, Betriebe und staatlichen
Einrichtungen noch rd. 40 Filialen der 1968 gegründeten ›Industrie- und Handelsbank‹ beteiligt.
Nachdem die Geschäftsbank 1974 der S. eingegliedert worden war, wurde diese endgültig zu einer »sozialistischen Universalbank«; sie verfügte über ein
Eigenkapital von 1,5 Mrd. Mark und einen zusätzlichen Reservefonds.
Funktionen und Wirkungen:
Im Sinne der Staatstheorie W. I. Lenins und der darin enthaltenen Aussagen
über eine gesamtstaatliche Buchführung und Rechnungslegung hatte die S. »die einheitliche Leitung,
Planung, Durchführung und Kontrolle der Geld- und Kreditpolitik mit hoher Effektivität im
volkswirtschaftlichen Maßstab zu sichern«. Sie erarbeitete die auf den Gebieten des Geldumlaufs, des
Kredits, des Zinses, des Zahlungsverkehrs und der Entgegennahme von Einlagen einschließlich Spareinlagen geltenden
Grundsätze und war weiterhin zuständig für die grundsätzliche Regelung von Planung,
Rechnungsführung und Statistik im Bankwesen sowie für die Sicherheit und Technik des Bankverkehrs zwischen
allen Geld- und Kreditinstituten.
Als Emissionsbank und Währungsinstitut der DDR war die S. allein berechtigt, im Rahmen der vom
Ministerrat bestätigten Höhe des Bargeldumlaufs die Geldzeichen (Banknoten und Münzen einschließlich
Sonderprägungen) der Währung der DDR auszugeben; sie konnte Devisen sowie Gold und andere
Edelmetalle an- und verkaufen oder verwahren;
gemeinsam mit dem Ministerium für Finanzen und der ›Staatlichen Plankommission‹ war sie für die
Zahlungsbilanz der DDR verantwortlich und wurde am Abschluß von Rahmenabkommen mit anderen
Staaten, an der Abstimmung der Grundsätze des zwischenstaatlichen Zahlungs- und
Verrechnungsverkehrs sowie Festlegung der Umrechnungssätze zu anderen Währungen beteiligt.
Für den ständigen Geschäftsverkehr der Volkswirtschaft hatte sie den Geldumlauf zu organisieren, freie
Geldmittel zu konzentrieren, Grund- und Umlaufkredite zu gewähren, den binnenwirtschaftlichen
Zahlungsverkehr zu organisieren sowie zur Durchsetzung des staatlichen Valutamonopols beizutragen und den
Reisezahlungsverkehr entsprechend durchzuführen.
Für ›Kombinate‹ und Betriebe der Industrie, des Bauwesens, Binnenhandels, Verkehrswesens, des
Postund Fernmeldewesens sowie weiterer Wirtschaftsbereiche hatte die Bank die Finanzierung, die Kontoführung und Kontrolle zu besorgen. Von anderen
Geldund Kreditinstituten nahm sie Geldmittel als Einlagen an und gewährte diesen Refinanzierungskredite. Es
gab jedoch in der DDR nur eine geringe Anzahl weiterer Banken und Geldinstitute, die jeweils spezielle
Aufgaben zu erfüllen hatten, so die ›Bank für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft der DDR‹,
die ›Deutsche Außenhandelsbank AG‹ (DABA), die zum Bereich ›Kommerzielle Koordinierung‹
gehörende ›Deutsche Handelsbank‹ (DHB) sowie die für das private Sparen und den privaten Giroverkehr
wichtigen Sparkassen, Postsparkassen und genossenschaftlichen Geldinstitute.
Auflösung/Ende:
Die Bilanz der DDR-Kreditinstitute wies Ende 1989 eine konsolidierte Bilanzsumme von
468 Mrd. DDR-Mark aus. An die »volkseigene«, genossenschaftliche und private Wirtschaft waren
Kredite in Höhe von insgesamt 260,4 Mrd. Mark vergeben worden. Nachdem die
Geschäftsbanken in der damaligen Bundesrepublik in die praktische Durchführung des Geldumtauschs im Rahmen der Währungsunion einbezogen worden waren und der Beitritt der
DDR zu Geltungsbereich des Grundgesetzes absehbar war, wurde damit begonnen, das komplette
Banksystem der DDR unter den bundesdeutschen Geldinstituten aufzuteilen. Spareinlagen in Höhe von rd. 180
Mrd. DM standen damals Inlands- und Auslandsschulden von kaum mehr exakt zu ermittelndem Ge-
samtumfang gegenüber.
Die S. wurde 1990 in verschiedene Teilbereiche zergliedert. Im April d. J. entstand die ›Deutsche
Kreditbank AG‹, die in den Besitz der ›Treuhandan-
stalt‹ überging und unter deren Aufsicht den Großteil der Altkredite des Wohnungsbaus und der vormals
»volkseigenen« Betriebe verwaltet; Ende 1992 betrug deren Bilanzsumme rd. 88 Mrd. DM. Das Filialnetz
der S. und die dort beschäftigten Mitarbeiter wurden von der ›Deutschen Bank‹ und von der ›Dresdner
Bank‹ übernommen. Der auf Berlin bezogene Geschäftsbereich der S. (›Berliner Stadtkontor‹) wurde
im Mai 1900 in einer ›Berliner Stadtbank‹ zusammengefaßt, welche dann vollständig in den Besitz der
›Berliner Bank AG‹ kam. Ein nicht unbeträchtlicher Teilbereich der S. bestand noch 1994 als ›Staatsbank
Berlin in Abwicklung‹; vorgesehen ist dessen Fusionierung mit der bundeseigenen ›Kreditanstalt für
Wiederaufbau‹ in Frankfurt a. M. Die Zukunft der ›Deutschen Außenhandelsbank AG‹ (DABA) war im Mai
1994 noch ungeklärt; diese Bank, deren Bilanzsumme sich 1992 noch auf 21,2 Mrd. DM belief, wickelt
weiterhin Forderungen und Verbindlichkeiten aus dem Osthandel und ehemaligen Transferrubelgeschäften ab.
Präsidenten: Greta Kuckhoff (1950-1958); Martin
Schmidt (1958-1961); Rolf Wetzel (1961-1964);
Helmut Dietrich (1964-1967); Margarete Wittkow-
sky (1967-1974); Horst Kaminsky (1974-1990)
[Lexikon der Organisationen und Institutionen: Staatsbank der DDR, S. 1 ff. Digitale Bibliothek Band 32: Enzyklopädie der DDR, S. 9793 (vgl. DDR-Org. u. Inst., S. 991 ff.) (c) 1994 by Rowohlt Taschenbuch Verlag]